1.1.2.4 Ausnahmekennziffern

Ausnahmekennziffern sind ein wichtiges Instrument zur besseren Steuerung Ihres Laborbudgets.

Trifft bei Ihren Patienten eine der untenstehenden Ausnahmeindikationen zu, so können Sie die Abrechnungsscheine bzw. die Überweisungsscheine mit der entsprechenden Ausnahmekennziffer versehen. In diesem Fall werden diese Untersuchungen von der KV außerhalb Ihres festgelegten Budgets abgerechnet. Allerdings erzeugen diese Patienten bei Anwendung der Ausnahmeziffer im jeweiligen Quartal auch kein Laborbudget mehr. Trotzdem ist der konsequente Einsatz von Ausnahmekennziffern sinnvoll, da Patienten mit den u.g. Ausnahmeindikationen in der Regel mehr Laborbudget verbrauchen, als sie generieren. 

Die Ausnahmekennziffer gilt nicht nur für Untersuchungen zur Abklärung des spezifischen Krankheitsbildes (z.B. Glukose, HbA1c bei Diabetes oder Quickwert bei Cumarintherapie, TPE-Untersuchung bei Verdacht auf infektiöse Durchfallerkrankung), sondern für alle Laboratoriumsuntersuchungen bei diesem Patienten.

Die Ausnahmekennziffern gelten für alle Laboratoriumsuntersuchungen des Kapitels 32.

Bei Überweisungen sind die Nummern in ein separates Feld auf dem Überweisungsschein einzutragen.

Beispiel Diabetiker:

Die Ausnahmekennziffer 32022 erlaubt es, bei einem Diabetiker die komplette Laborpalette außerhalb des Budgets abzuwickeln.

Zudem gelten die Ausnahmekennziffern rückwirkend für das gesamte Quartal, d.h. die einmalige Anwendung einer Ausnahmekennziffer pro Quartal nimmt nachträglich alle bisher veranlassten Untersuchungen des Patienten aus dem Budget heraus!

Folgende Ausnahmeindikationen sind im EBM definiert:

Ziffer Indikation
32005 Antivirale Therapie der chronischen Hepatitis B oder C mit Interferon und/oder Nukleosidanaloga
32006 Erkrankungen oder Verdacht auf Erkrankungen, bei denen eine gesetzliche Meldepflicht besteht, sofern in diesen Krankheitsfällen mikrobiologische, virologische oder infektionsimmunologische Untersuchungen durchgeführt werden, oder Krankheitsfälle mit meldepflichtigem Nachweis eines Krankheitserregers
32007 Vorsorgeuntersuchungen gemäß den Mutterschafts-Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen, soweit die Leistungen nach Kapitel 32 abzurechnen sind, oder prä- bzw. perinatale Infektionen
32008 Anfallsleiden unter antiepileptischer Therapie oder Psychosen unter Clozapintherapie
32009 Allergische Erkrankungen bei Kindern bis zum vollendeten 6. Lebensjahr
32010 Genetisch bedingte Erkrankungen oder Verdacht auf diese Erkrankungen, sofern Untersuchungen nach den Nrn. 11310 bis 11312, 11320 bis 11322 sowie der Gebührenordnungspositionen des Abschnitts 11.4 durchgeführt werden
32011 Therapiepflichtige hämolytische Anämie, Diagnostik und Therapie der hereditären Thrombophilie, des Antiphospholipidsyndroms oder der Hämophilie
32012 Tumorerkrankung unter parenteraler tumorspezifischer Behandlung oder progrediente Malignome unter Palliativbehandlung
32013 Diagnostik und Therapie von Fertilitätsstörungen, soweit die Laborleistungen nicht Bestandteil der Leistungen nach den Nrn. 08530 bis 08561 sind
32014 Substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger gemäß den Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen
32015 Antikoagulantientherapie
32016 Präoperative Labordiagnostik vor ambulanten oder belegärztlichen Eingriffen in Narkose oder in rückenmarksnaher Regionalanästhesie
32017 Manifeste angeborene Stoffwechsel- und/oder endokrinologische Erkrankung(en) bei Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr oder Mukoviszidose
32018 Chronische Niereninsuffizienz mit einer endogenen Kreatinin-Clearance < 25 ml/min
32019 Erkrankungen unter systemischer Zytostatika-Therapie und/oder Strahlentherapie
32020 HLA-Diagnostik vor und/oder Nachsorge unter immunsuppressiver Therapie nach allogener Transplantation eines Organs oder hämatopoetischer Stammzellen
32021 Therapiebedürftige HIV-Infektionen
32022 Manifester Diabetes mellitus
32023 Rheumatoide Arthritis (PCP) einschl. Sonderformen und Kollagenosen unter immunsuppressiver oder immunmodulierender Langzeit-Basistherapie