Häufige Fehlerquellen in der präanalytischen Phase

1. Fehlermöglichkeiten in der präanalytischen Phase

Die Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Präanalytik, d.h. die Einhaltung aller erforderlichen Bedingungen In der Phase vor der eigentlichen Messung, bedarf der Zusammenarbeit von Einsendern, Transportdienst und Laborpersonal. Fehler in dieser Phase gehören zu den häufigsten Ursachen für implausible Laborwerte.

1.1. Individuelle Einflussfaktoren des Patienten

1.2. Einflüsse durch die Probengewinnung

Während der Probenabnahme ergeben sich diverse Einflüsse auf das Untersuchungsergebnis. Diese liegen zum einen in allgemeinen Faktoren wie Körperlage, Tageszeit, Entnahmeort etc. sowie in direkt in der Technik der Abnahme begründeten Fehlermöglichkeiten.

Häufige Fehlerquellen sind:

 

Lange venöse Stauung Aufkonzentrierung von makromolekularen Substanzen (Proteine, Enzyme, Lipide) und Partikeln, Gerinnungs­aktivierung
Körperlage Aufkonzentrierung durch Verlagerung von Körperwasser
Körperliche Belastung Anstieg diverser Enzyme/Substrate
Tageszeit wichtig bei Parametern, die zirkadianen bzw. biologischen Rhythmen unterliegen (z. B. Cortisol, Eisen, Wachstumshormon)
Pharmakokinetik bei Medikamenten (Peakspiegel ca. 2h nach Gabe, Talspiegel kurz vor der nächsten Gabe, Gabe vermerken)
implausible Ergebnisse z.B. wg. noch ungenügender Gewebeverteilung kurz nach Gabe)
Nahrungsaufnahme Beeinflussung vieler Stoffwechselparameter
Kontamination / Verdünnungseffekte Oft bei Abnahme aus Flexülen oder anderen Zugängen, Kontamination mit Antikoagulantien bzw. anderen darüber applizierten Medikamenten (falsche Spiegel, Gerinnung verfälscht) bzw. Verdünnung durch im System stehende Flüssigkeiten
Fehlende Probendurchmischung Viele Röhrchen enthalten Zusätze zur Stabilisierung/ Ungerinnbarmachung der Probe (EDTA, Citrat, Heparinat). Wird das Blut nicht mit dem Zusatz vermischt (Röhrchen schwenken), kann die Analyse evtl. nicht durchgeführt werden.
Ungenügende Füllung des Röhrchens Die Menge des stabilisierenden Zusatzes ist auf das vorgesehene Füllungsvolumen der Röhrchen ausgelegt. Wird das Mischungsverhältnis durch unzureichende Befüllung verändert, resultieren verfälschte Werte. Die Verfälschung ist umso ausgeprägter, je weniger Probe abgenommen wird. Darum setzt das Labor Füllgrenzen, bei Unterschreitung derer die Analytik nicht durchgeführt wird.
Besonders empfindlich sind Citrat-Röhrchen (Gerinnungs­parameter verfälscht) und EDTA-Röhrchen (z.B. Zellen des großen Blutbildes verfälscht).
Verfälschungen entstehen u.a. auch bei Durchführung des Harnsedimentes aus zuwenig befüllten Urinröhrchen (weniger korpuskuläre Elemente im Sediment).
Ist abzusehen, dass nur geringe Blutmengen abgenommen werden können, ggf. auf Kinder-Röhrchen ausweichen.
Abnahmetechnik: Punktionsfehler, dünne Kanülen bzw. starke Aspiration führen oft zu Hämolyse (Verfälschung von Parametern mit hohen intraerythrozytären Konzentrationen sowie Störung von Farbreaktionen durch die hämbedingte Eigenfarbe)

1.3. Einflüsse durch den Probentransport

Während des Probentransportes sind für die einzelnen Analysen die erforderlichen Transportbedingungen einzuhalten. Dies erfordert:

1.4. Sonstige Einflussfaktoren:

Bestimmte Laborparameter können außerdem durch andere Störfaktoren verfälscht bzw. u. U. sogar unmöglich gemacht werden:

hämolytisches Material meist abnahmebedingt, z.T. aber auch durch Krankheit oder Therapie verursacht
lipämisches Material meist durch Krankheit bzw. auch durch Therapie bedingt
ikterisches Material meist durch Krankheit verursacht
geronnenes Material meist bei Abnahme verursacht (i.d.R. mangelnde Durch­mischung mit dem Antikoagulans im Röhrchen)
mangelhafte Kühlung Versäumnis bei Abnahme/Übergabe oder Transportproblem
Störende Kühlung stört z.B. Durchflusszytometrie, erfolgt i.d.R. irrtümlich

2. Nichtbearbeitung von Analysen

Unter bestimmten Umständen können Analysen vom Labor nicht durchgeführt werden. Gründe dafür sind z. B. Fehler bei der Anforderung, bei der Abnahme oder beim Probentransport oder auch fehlende Informationen. Außerdem können Eigenschaften der Probe aufgrund methodischer Störungen die Analytik bestimmter Parameter unmöglich machen.

 

Material fehlt Material für die gewünschte Untersuchung wurde nicht mitgeschickt
Material falsch beschriftet / beklebt eine eindeutige Zuordnung der Probe ist nicht möglich
Fehlerhafte Materialgewinnung Falsches Röhrchen verwendet, unzureichende Füllung des Röhrchens, fehlende Durchmischung
Material reicht nicht aus Das vorhandene Material reicht nicht für alle Parameter des gewünschten Untersuchungsspektrums aus.
Material nicht gekühlt Untersuchung kann aus ungekühltem Material nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden.
Material irrtümlich gekühlt Untersuchung kann aus gekühltem Material nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden.
Probeneigenschaften Analytik durch Probeneigenschaften verfälscht